Ich weiß, was du letzte Nacht getan hast. - Ein Nachtcache und ein Toter

Es ist soweit: Nach monatelanger Arbeit wird unser erster "Multi" am 1.12.2013 veröffentlicht, d.h. ein sich über mehrere Stationen ziehender Geocache mit Handlung, Rätseln, Experimenten und ein bisschen Rechnerei.

Warum wir diese teils nervenaufreibende, kost- und zeitspielige Sache tun? - Wir haben genug "in den Wald geschmissene Tupperdosen" gesehen, sprich Caches, die ohne erkennbaren Sinn und Verstand im Wald landen. Wir wollen es besser machen. Wir wollen es interessanter machen. Wir wollen es richtig machen!

Vor etlichen Monaten pflanzte sich so eine kleine Idee in unsere Köpfe:

Dieses Gebäude ganz in der Nähe mit den hohen Sicherheitsstandards, was nachts so schön schauderhaft grün leuchtet - warum ist noch niemand auf die Idee gekommen, eine Geschichte darum zu bauen?

Auf langen Märschen von Dose zu Dose spinnten wir eine Geschichte. Schnell war klar, sie wird zu lang für eine einfache Dose (Traditional-Cache). Ein Mystery (ein Rätsel-Cache) wollten wir nicht, es wird ein Multi-Cache - und er sollte möglichst Nachts stattfinden. Wir machen Nachtcaches am liebsten! Sie sind für uns am interessantesten, im Schnitt am schwierigsten zu Ende zu bringen ist und der Cache braucht für den Cachebesitzer besonders gründliche Vorarbeit wenn er richtig gut werden will.

Die Story

Unsere nicht-cachenden Freunde behelligten, nervten und begeisterten wir mit unseren Ideen, beteiligten sie freiwillig und unfreiwillig. Wir entwickelten die Handlung Stück für Stück weiter. Unsere Freunde nahmen sie uns wieder auseinander und gaben uns Denkanstöße. Es sollte ein Cache werden, dessen Geschichte sich real zugetragen haben könnte. Sehr zum Bedauern einiger Freunde strichen wir also Aliens und Zombies aus dem Plot. Trotzdem wurde die Geschichte immer länger, dafür logischer. Weite Teile der Rahmenhandlung stammten schon nicht mehr aus der ursprünglichen Idee. Mindestens einen Toten wird es geben und es wird rauszufinden sein, warum der Mensch tot ist. In einer Nacht brachte ich das erstes Storyboard auf Papier. Im Laufe der folgenden Tage und Wochen wurde das Storyboard immer wieder angepasst, erweitert und korrigiert. Im Alphastadium fertig, musste es nach einem Lesetest dann doch wieder erheblich gekürzt werden. Mehr als 10 min. wollten wir den Suchenden nicht zumuten.

Die Umgebung

Das anfangs erwähnte Gebäude als Ideengrundlage und die dazugehörige Geschichte lassen eigentlich nur den Schluss zu, dass wir mit den einzelnen Stationen ganz in der Nähe zum Gebäude bleiben wollen. Sichtkontakt zum Gebäude während der Runde wäre ideal, hat sich aber als nicht umsetzbar herausgestellt. :-(
Ich besorgte also eine Landkarte mit Gebietsmarkierungen. Mannshoch hängt sie in an der Wand. Wir vermerkten bestehende Caches, um Abstandskonflikte zu vermeiden, suchten uns mögliche Routen aus, die wir dann mehrmals abliefen. Zu lang, zu kurz, uninteressant, könnte passen. Auf der Suche nach geeigneten Versteckmöglichkeiten machten wir tolle Entdeckungen im Wald, worauf wir nochmal die Geschichte anpassten. Aufgrund der Abstandsbestimmungen mussten wir manch gutes Versteck wieder verwerfen und erneut vor Ort geeignete Alternativen finden. Eine echte Herausforderung bei so vielen vorhandenen Caches.

Die Stationen

Die Ideen zu den einigen Stationen schlummerten schon lange in unseren Köpfen (bzw. in der Cacherkiste zuhause) und endlich konnten sie ausgepackt werden. Ein paar Ideen wurden seufzend wieder weggepackt, weil sie - obwohl ganz toll - einfach nicht zur Geschichte passten. Dafür musste die ein oder andere Station grundlegend verändert oder ganz neu entwickelt werden, damit sie naturtauglich wird.
Eigentlich wollten wir ohne Elektronikgedöns auskommen, denn die Erfahrung zeigt, dass diese i.d.R. sehr stör- und fehleranfällig sind und damit zum frustrierenden Erlebnis werden können. Doch wenn die Kreativität zu fliegen beginnt, lässt sie sich unter Umständen nicht mehr stoppen - auch nicht durch 7-wöchige Lieferzeit aus China - und so kam es, dass wir nun doch eine selbstgebaute und programmierte Elektronikstation dabei haben, die sogar einzigartig sein könnte.
Eine Station erforderte ganz spezielle Tätigkeiten/Überlegungen vor Ort, was eigentlich nur nachts möglich wäre, wir aber auch am Tage mit Hilfe des sauigen Wetters schafften. Als irgendwann für alle Stationen auch noch die passenden Behälter gefunden waren, konnten wir sie endlich auslegen und waren der Veröffentlichung einen großen Schritt näher.

Zig mal sind wir nun schon die 5 km abgelaufen, ein vorläufig letztes mal mussten wir es tun, um die bis dahin finale Version der Geschichte festzumachen.

Das Finale

Unsere Final-"Dose" lässt sich nicht einfach in den Wald werfen. :-D Eine geeignete Unterbringungsmöglichkeit zu finden war daher nicht so einfach und führte wiederum zu einer Streckenänderung. Das, was gefunden werden soll, wird am Schluss tatsächlich gefunden, wenn man sich erinnert, was eigentlich gesucht wird und es inmitten der Requisiten identifiziert. Ein Abend lang Heimwerken und Basteln und aus dem Behälter wurde...etwas ganz großes! Mehr gespoilert wird nicht.

Der Beta-Test

Eine so aufwändige Sache lässt man sicherheitshalber Beta-Testen. Glücklicherweise sagten unsere Wunsch-Kandidaten sofort zu und wir fiebertem dem Ergebnis entgegen. Tatsächlich saß ich den ganzen Abend während des Beta-Tests zuhause auf glühenden Kohlen und als um kurz vor Mitternacht das Telefon klingelte, war ich ziemlich aufgewühlt, zumal die Beta-Tester schon 4 Stunden unterwegs waren und noch immer eine ordentliche Strecke vor sich hatten. Tags drauf bekamen wir einen detaillierten Bericht und hatten danach noch ziemlich viel Zeit in die Verbesserung der ein oder anderen Station zu investieren. Tolle Beta-Tester! - Bei der ersten Ausbesser-Runde am Tag nach dem Testlauf musste ich bei Mr. Beta anrufen: Wo habt ihr Station 3 gestern Abend versteckt, die ist nicht mehr da! - War sie tatsächlich nicht mehr. Hat wohl ein räuberischer Waldbewohner mitgenommen. Also dort unter den Steinen mag wohl jemand sein zuhause nicht teilen. Ergo: Station verlegt.

Die Veröffentlichung

Mehr Arbeit als gedacht steckte in der Beschreibung auf der Geocaching.com Webseite und dem korrekten Ausfüllen des Veröffentlichungs-Formulars. Ein spannender Moment ist dann das Einreichen des Caches an die Reviewer und das Warten auf Reaktion. Der vom Reviewer entdeckte Abstandskonflikt entpuppte sich als Zahlendreher (Püh). Die zwischenzeitlich veröffentlichten neuen Caches liegen zwar dicht an unserer Route, aber ausreichend weit weg, so dass es keine Abstandskonflikte gibt. Und dann kam die Killerfrage: Ist der Grundstücksbesitzer damit einverstanden, dass ein Cache auf seinem Grundstück liegt? Meine Landkarte sagt zwar, dass dies Universitätsgelände ist, doch wurde ich eines Besseren belehrt - Stimmt zwar, aber der Wald ist der ansässigen Försterei zugeordnet. Das könnte ein K.O. Kriterium sein, muss aber nicht. Optimistisch rief ich also bei der Försterei an, immerhin wusste ich, dass diese auch schon einen Cache in nicht einfacher Umgebung genehmigt hat. Ich schickte per E-Mail unsere Unterlagen, wir machten einen Termin aus und fuhren die Strecke gemeinsam ab. Alles ganz easy. Ein paar Tage später bekam ich den Nutzungsvertrag, den der Reviewer einforderte und jetzt kann es losgehen.

Der Cache muss übrigens nicht zwangsweise Nachts gemacht werden, am Tage braucht's nur ggf. einen Hinweis von uns, den man per E-Mail bekommen kann.


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