Der Apfel-Zwang

Ich backe sehr gerne und soweit ich mich selber beurteilen kann, auch ziemlich gut.

Dass es bei uns nicht wöchentlich samstags und sonntags die tollsten Backerzeugnisse gibt, liegt nicht etwa an mangelnder Zeit, sondern hauptsächlich daran,

dass sich unmittelbar das sowieso schon körperlich angespannte Verhältnis zu mir selbst überreizen würde, zum anderen die passenden Abnehmer fehlen, obwohl mit 5 Personen im Haushalt lebend, eine hinreichende Menge gegeben ist.

Meine Familie ist sehr einfach zufriedenzustellen, was Teigwaren betrifft: Hauptsache es sind Äpfel drin (Ausnahme Käsekuchen). Das führt dazu, dass bei allen möglichen Anlässen einzig der Wunsch "APFEL..." geäußert wird. Der Mann des Hauses hat die entsprechenden Gene an alle 3 Kinder vererbt - oder sie heimlich perfekt konditioniert. Jedenfalls hat ein Apfelgebäck immer den Vozug gegenüber jedweder anderen Leckerei.

Konkret lässt sich das Thema auf zwei Produkte eingrenzen: Apfeltaschen (aus Quarkteig) und gedeckter Apfelkuchen (aus Mürbeteig). Diese sind als absolut gleich beliebt anzusehen, dahinter mit einigem Abstand darf es maximal noch Käsekuchen geben. Aber nicht zu oft und wenn, nur auf Wunsch des Mannes. Die Kinder tolerieren dann still grummelnd die Entscheidung des "Bestimmers". Die A-Rezepte stammen beide aus dem angeheirateten Teil der Familie, was mich anfangs doch etwas zögern ließ, die Rezepte "nachzubacken". Denn obwohl ich weiß, dass meine konditorischen Fähigkeiten ganz passabel sind, ist die Messlatte sehr hoch, zumal ein Konditormeister Bestandteil der Familie ist. Die ersten Nachbackversuche geschahen daher still und heimlich und mussten "nur" beim Mann bestehen. Zwischendurch zweifelte ich allerdings schon, ob das ein guter Plan ist und nicht gleich das Ende unserer jungen Beziehung sein könnte. Ich bestand das Probeessen, sei es durch die Nachsicht des verliebten Mannes oder weil es wirklich gelungen war. (Dumme Selbstzweifel! Hinfort mit euch!)

Jetzt, 11 Jahre und 2 Kinder später, sind die A-Gebäcke in der Familie nicht mehr wegzudenken und natürlich genügen sie den hohen Ansprüchen der Vertilger. Mittlerweile reicht es auch nicht mehr, nur einen Kuchen zu backen, es müssen zwei sein und die doppelte Menge Apfeltaschen. Und natürlich kommt die Frage, ob wir noch Besuch bekommen und dann teilen müssen - oder noch schlimmer - die Bäckerin was mit auf die Arbeit nehmen will.

Zu den laut ausgesprochenen Backwünschen der Familienmitglieder kommen die leisen Forderungen. Wenn mal wieder plötzlich ein Pfund Quark und 2kg Äpfel in der Küche auftauchen, ist alles klar.

Andersherum kann ich natürlich auch schwer punkten, wenn es mal unverhofft A-Gebäck gibt. Wie in den letzten 2 Wochen, als wir eine unfreiwillige Massen-Apfellieferung bekamen, die natürlich nicht schlecht werden darf und heute damit endete, dass das Mittagessen zur Apfeltaschenmampferei umgedingst wurde. Plötzlich war es selbst für Kind 1 ganz leicht, aus den Federn zum Mittagessen zu kommen. 

Und ich darf dafür jetzt in Ruhe baden und diesen Artikel schreiben.


Trackbacks

Keine Trackbacks

Kommentare

Ansicht der Kommentare: (Linear | Verschachtelt)

Noch keine Kommentare


Kommentar schreiben


Umschließende Sterne heben ein Wort hervor (*wort*), per _wort_ kann ein Wort unterstrichen werden.
Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

 
Kommentare werden erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet!