Himmelschreiende Ungerechtigkeit und das Loch im Zahn

Von fünf in unserem Haushalt lebenden Personen, nehmen es zwei mit dem Zähneputzen sehr ernst. Während andere Familienmitglieder (mich eingeschlossen) manchmal ein Auge mehr zudrücken, gehört eines der Kinder zu den supergründlichen Putzern. Sogar tagsüber wird die Zahnbürste mitgenommen, um nach dem Mittagessen Zähnputzen zu können.

Ausgerechnet mit diesem Kind musste ich nun wegen Zahnschmerzen zum Zahnarzt: "Mama, vielleicht sind das ja auch nur Wachstumsschmerzen im Mund", so die hoffnungsvolle Aussage des betroffenen Kindes.

Leider falsch! Die Zahnärztin stellte ein Loch im Milchbackenzahn fest, das auch prompt verschlossen werden sollte. Davor gab es einen Farbtest, den das Kind (wie erwartet) bestand: So gut wie kein Belag und nichts, was älter ist als 3 Tage. Auch die anschließende Zahnputzvorführung wurde zur vollsten Zufriedenheit der Zahnarzthelferin durchgeführt.

Da unsere Kinder erfahrungsgemäß sehr vorsichtig mit neuen Sachen sind und zum Teil auch sehr nah am Wasser gebaut, bereitete ich mich seelisch auf die nun folgende Prozedur vor.

Die Zahnärztin erklärte dem Kind erstmal, was nun alles passieren würde, zeigte die Geräte, ließ alles einmal durchprobieren und auf der Haut anfühlen. Und wenn es wehtun sollte, dann schnell die Hand hochheben, dann würde sie aufhören und den Zahn einfach "Schlafen legen", damit es nicht mehr weh tut.

Vielleicht hat mich die Zahnärztin damit auch ein wenig beruhigt, denn mit so viel Aufmerksamkeit auf die unausgesprochenen Ängste des Kindes zu reagieren, fand ich schon sehr toll.

Gespannt darauf, wie das Kind während der Behandlung reagieren würde, fuhr der Stuhl nach hinten. Mit kurzer Verzögerung wurde die behandlungsposition erreicht, denn das Kind fand das so lustig, dass der Stuhl eine Extra-Runde länger auf und ab bewegt wurde.

Ich beobachte, wie sich die Hände von meinem Kind im Stuhlpolster festkrallen und dann legt auch schon der Bohrer los. Zwischendurch reden Zahnarzthelferin und Zahnärztin immer wieder, was sie gerade tun und wie sich das Nächste ungefähr anfühlen wird. Das andere mitgekommene Kind findet das so spannend, dass es sich vor die Zahnarzthelferin drängt ("...iiih, das spritzt ja..."), um einen exklusiven Blick aus der ersten Reihe zu erhaschen. Nach mehreren Bohr- und Reinigungsminuten mit unterschiedlichen Geräten, noch einem Farbtest, Füllung, Abschleifen, Radieren und Ausspülen ist es geschafft. Das Kind hat es ohne Murren durchgestanden, was zwischendurch schon immer mit aufmunterndem Lob zur Kenntnis genommen wurde.

Beim Griff in die Belohnungskiste sucht es sich eine "Tapferkeitsmedaille" (ein Button mit Text über Mut und Tapferkeit beim Zahnarzt) aus, was es seither stolz am Shirt trägt und bei Freunden und Verwandten nicht auslässt, zu erwähnen, dass es beim Zahnarzt war und jetzt eine Füllung hat...und alles ohne Spritze! Und die Reaktion für die Zukunft: "Mama, ich putze jetzt einfach auch nochmal nachmittags die Zähne, wenn es etwas Süßes gab."

Und ich? - Ich werde nie wieder andere Kinder belächeln, die im Milchzahnalter schon ein Loch im Zahn haben. Wir haben es immer genau genommen mit Nachputzen, trinken abends ausschließlich Wasser, die Kinder essen definitiv nicht zu viel Süßigkeiten. Das ist bei anderen Familien i.d.R. ja auch so.
Ich finde es ungerecht. Ausgerechnet das Familienmitglied, welches am häufigsten und gründlichsten die Zähne putzt, hat es erwischt.

Dafür bin ich sehr glücklich mit der Wahl der Zahnarztpraxis und habe gleich einen Termin mit dem neugierigen Kind und mir gemacht.

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